- Von Karen Schmidt
- 04.04.2025 um 04:37
Diese Themen haben wir in dieser Podcast-Folge für Sie:
Aus der Redaktion: Im Schmolltalk gehen wir noch einmal auf eine Pflicht zur Elementarschadenversicherung ein – und welche Reaktionen es aus der Branche darauf gibt.
Wir haben noch drei weitere Gespräche von der MMM-Messe der Fonds Finanz für Sie – und zwar mit Tobias Strübing, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Wirth-Rechtsanwälte, Maximilian Buddecke, Vorstand die Bayerische Pro Kunde und Leona Spauszus, Geschäftsführerin von Leona Media Marketing.
Und in den News der Woche haben wir bei der Aufsicht Bafin mal nachgefragt, in welchen Topf eigentlich Bußgelder fließen. Und eine Analyse des Rating-Hauses Assekurata zeigt, dass die Lebensversicherer ein Wiederanlage-Problem haben.

1 Kommentare
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kommentierenAxel Lämmle
Vor 9 StundenLiebes Die Woche-Team,
wieder ging es im Schmoll-Talk und die Elementarschäden-Pflichtversicherung. Dazu möchte ich ein paar Anmerkungen machen.
Ein Hörer schrieb euch, er wäre gegen die Pflichtversicherung, wäre dann aber auch dagegen, dass der Staat helfend einspringt, weil die Geschädigten ja vorher die freie Wahl hätten.
Wie gut Freiwilligkeit funktioniert, können wir ja allenthalben beobachten. Aktuell sind bundesweit nur 50% gegen Elementarschäden versichert. Aber auch in allen anderen Lebenslagen zeigt sich, dass Freiwilligkeit wenig hilfreich ist. Sei es im Bereich der Gesundheitsvorsorge, der Richtgeschwindigkeit oder der Mülltrennung. Mit Freiwilligkeit erreicht man stets nur einen Teil der Menschen. Natürlich wird gerne mit der Eigenverantwortung argumentiert, jedoch sollte man sich immer vor Augen halten, warum hier über eine Versicherungspflicht eigentlich geredet wird. Verliert ein Mensch durch ein Unwetter Haus und Hof und ist nicht versichert, wird er schnell einen fulminanten sozialen Absturz erleben und wird aus gutem Grund von unseren sozialen Netzen aufgefangen (Art. 20 GG „sozialer Bundesstaat“). Diese soziale Netze werden gespeist durch unser aller Steuergelder, und somit gibt es bei solchen Katastrophen natürlich geschädigte „unschuldige Dritte“, eine Elementarschadenspflichtversicherung hat also durchaus Ähnlichkeiten mit einer Haftpflichtversicherung. Und genau daraus speist sich der Pflichtversicherungsgedanke. Es ist der Allgemeinheit einfach nicht mehr zuzumuten, das Risiko praktisch unbegrenzt zu übernehmen, nur weil Einzelne „keine Lust“ auf eine Versicherung haben.
Es ist auch mehr als wohlfeil, hier die Schuld dem Staat als Verursacher zuzuschieben. Natürlich wurden bis in die 90er hinein munter Flächen versiegelt, Flüsse begradigt, Moore trocken gelegt. Aber sicher nicht, weil allen langweilig war, sondern um Flüsse schiffbar, Flächen für Ackerbau urbar und für Menschen bewohnbar zu machen. Es ging also immer um Arbeitsplätze, Ernährung und Wohnen! Heute wissen wir, vieles davon war falsch und man rudert nun angestrengt herum, renaturiert, vernässt Moore und entsiegelt Flächen.
Und natürlich ist die Kommunalpolitik schuld, weil die Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte ja entweder einfach zu blöd oder alternativ zu ahnungslos sind und das alles ja eh in kürzester Zeit vergessen.
So denken kann natürlich nur, wer wirklich völlig ahnungslos von Kommunalpolitik ist. Baugebiete zum Beispiel werden ausgewiesen nach Berücksichtig der H100-Regel. Es wird also das vor Ort in 100 Jahren höchste Hochwasser berücksichtigt und alle Schutzmaßnahmen darauf abgestimmt. Das ist natürlich keine Garantie, aber es wird natürlich berücksichtigt. Jetzt ist die Klimakatastrophe erst in den letzten 25 Jahren allmählich in unser Bewustsein eingesickert und erst in den letzten Jahren spüren wir die ersten Vorboten der Auswirkungen. Jahrhundert-Rekorde an Starkregen, Überschwemmungen, Hagel und Sturm fallen reihenweise, planerische H100-Vorsorge erweist sich immer öfter als nicht ausreichend. Das Ausmaß und die Geschwindigkeit der Veränderungen überrascht nicht nur kommunale Verantwortliche, sondern auch tief in der Materie steckende Wissenschaftler. Heute leben Hunderttausende, vielleicht Millionen Menschen in stark gefährdeten Gebieten, die noch vor Jahren völlig sicher erschienen. Das Einzelne eigentlich rechtswidrig gebaut haben ist sicher Fakt, aber nicht die Regel.
Was tun wir jetzt aber mit den Menschen, die nun in Risikogebieten leben? Umsiedeln? Wenn ja, wohin? Wer zahlt das? Es ist schlicht unmöglich.
Die Pflichtversicherung ändert nichts an der Situation, verteilt die Lasten aber auf mehr und breitere Schultern. Dies ist dringend notwendig und am Ende steht auch der Sozialstaat noch mit Hilfe bereit.