- Von Andreas Harms
- 09.12.2024 um 15:33
Ein weiteres Kapital in der Geschichte rund um die „Structured Alpha“-Hedgefonds von Allianz Global Investors ist abgeschlossen. Der verantwortliche Hedgefondsmanager Gregoire „Greg“ Tournant (57) wurde von einem Gericht im New Yorker Stadtteil Manhattan verurteilt.
Die gute Nachricht für ihn lautet, dass er nicht ins Gefängnis muss. Das Gericht verurteilte ihn lediglich zu anderthalb Jahren Hausarrest und drei Jahren Bewährung. Die Staatsanwaltschaft hatte mit sieben Jahren Haft eine deutlich härtere Strafe gefordert.
Tournant gilt als Architekt des Betrugs, über den Anleger rund 7 Milliarden Dollar verloren. Im Juni hatte er sich in zwei Fällen für schuldig bekannt und angeboten, 17,5 Millionen Dollar zurückzuzahlen. Darunter auch für seinen scheinbaren Erfolg erhaltene Boni.
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Hintergrund: Gregoire Tournant verantwortete eine Reihe privater Investmentfonds, die Allianz Global Investors in den USA verwaltete und anbot. Die Fonds der Serie „Structured Alpha Funds“ enthielten zu ihrer Blütezeit mehr als 11 Milliarden US-Dollar. Als die Märkte in der Corona-Krise im März 2020 einbrachen, verloren sie mehr als 8 Milliarden Dollar an Marktwert und 3 Milliarden Dollar an Kapital.
Laut US-Ministerium wurden mehr als 100 Anleger Opfer dieses Betrugs, darunter Pensionsfonds für Lehrer, religiöse Organisationen, Busfahrer, Ingenieure und andere Einzelpersonen, Universitäten und gemeinnützige Organisationen.
Gesundheitliche Gründe für mildes Urteil
Für Allianz Global Investors hatte das alles ein teures Nachspiel. Die Investmenttochter der Allianz zahlte eine Millionenstrafe und wurde für zehn Jahre auf dem US-Investmentmarkt gesperrt.
Wie Medien übereinstimmend berichten, hatten Tournants Verteidiger die vorsitzende Richterin Laura Taylor Swain darum geben, ihren Mandanten aus gesundheitlichen Gründen nicht ins Gefängnis zu schicken. Auch habe er Reue gezeigt, und der Fall sei nicht ganz so schlimm gewesen wie andere Investmentbetrugsfälle.
Die Anklage sah das etwas anders. Tournant habe im Prozess versucht, seine Taten herunterzuspielen. Außerdem habe er Daten über die Hedgefonds gefälscht und einen Kollegen zur Lüge angestiftet, um die US-Börsenaufsicht SEC zu täuschen, und über die gesamte Zeit des Betrugs hinweg 60 Millionen Dollar verdient.
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