- Von Barbara Bocks
- 15.10.2024 um 13:19
Katrin Fuchs: „Wenn es uns gelingt, das wir in einer Gesellschaft leben, in der Sorgearbeit nicht weiblich, sondern menschlich ist, dann werden sich die Gaps auflösen“

Pfefferminzia: Was sind aus deiner Sicht die wichtigsten Hebel, damit der Gender Pension Gap irgendwann kein Thema mehr ist?
Katrin Fuchs: Für mich ist Equal Care die Lösung. Wenn es uns gelingt, das wir in einer Gesellschaft leben, in der Sorgearbeit nicht weiblich, sondern menschlich ist, dann werden Gaps sich auflösen. Aktuell wählen Mädchen und Frauen Berufe, die schlechter bezahlt sind, oft weil auch sie mit Care in Verbindung stehen und wir Sorgearbeit immer noch nicht den Wert geben, den sie hat.
Sie werden aber auch in ähnlichen Berufen schlechter bezahlt. Die Frau könnte ja schwanger werden, sie könnte dann zu Hause bei den Kindern bleiben. Wir erleben hier viele Vorurteile, was man daran erkennen kann, dass auch kinderlose Frauen strukturell schlechter gestellt sind.
All diese wirtschaftlichen Nachteile wachsen sich in einem Gender Pension Gap aus, der mit rund 40 Prozent für ein vermeintlich modernes Land nicht angemessen ist. Familienpolitik ist Wirtschaftspolitik. Diesen Zusammenhang müssen wir endlich zulassen und sichtbar machen. Dafür steht auch unsere Initiative Unpaid Care Work.
Was ist für dich der wichtigste Tipp, den du mit dem Wissen von heute Frauen für ihre Finanz- und Lebensplanung mitgeben möchtest?
Auch hier haben wir ein System geschaffen, dass die Ehe zu einer wirtschaftlichen Versorgungsgemeinschaft macht. Aber eben nur, so lange sie besteht.
- Ich rate allen Frauen „bleibt unabhängig“. Unabhängig im Wissen und den Entscheidungen, was Finanzen betrifft, aber auch unabhängig, was eure Versorgung und euer Vermögen betrifft.
- Eignet euch das notwendige Wissen an. Bleibt finanziell unabhängig. Das sichert euch individuell ab. Fühlt sich auch in einer Beziehung einfach viel besser an.
Was ist dein wichtigster Altersvorsorgetipp?
Früh genug mit der Altersvorsorge beginnen und nie damit aufhören. Um eine angenehme Balance zwischen den Ausgaben von heute und denen für morgen zu erreichen, ist Kontinuität wichtig.
- Wer früh genug damit beginnt und keine Lücken entstehen lässt, der kann relativ entspannt fürs Alter vorsorgen.
- Versucht Entscheidungen nie nur aus dem Moment heraus zu treffen, sondern berücksichtigt die langfristigen Folgen.
Es mag aus dem Moment heraus einfacher sein, Einkommen und Vorsorge in den Hintergrund zu schieben. Doch diese Entscheidungen haben oft größere Konsequenzen als in dem Moment sichtbar.
Viele Studien sagen, dass Frauen, wenn sie investieren, dies am liebsten nachhaltig tun. Inwiefern teilst du diese Beobachtung für dich und deine Peer Group?
Auf mich trifft das definitiv zu. Ich kann auch gut sagen, warum. Für mich ist Kapitalismus ein sehr auf Ausbeutung angelegtes System. Wir beuten dafür unsere Erde aus und auch uns Menschen. Gerade die Geringschätzung von Care-Arbeit im wirtschaftlichen Kontext zeigt das sehr gut. Ich bin also von den Schattenseiten des Kapitalismus in unterschiedlicher Art und Weise betroffen.
Daher versuche ich, in meinen Investitionen Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Ich möchte, dass meine Rendite so fair und nachhaltig wie möglich ist. Das zu beurteilen ist nicht immer einfach. Doch ich informiere mich und handle nach bestem Wissen und Gewissen. Auch beim Investieren möchte ich das Miteinander nicht vergessen.

0 Kommentare
- anmelden
- registrieren
kommentieren