- Von Sabine Groth
- 03.04.2025 um 09:16
Mit dem Eintritt in den Ruhestand verändern sich das Alltagsleben und häufig auch die Konsumausgaben. Einige Ausgaben fallen einfach weg, etwa für die tägliche Fahrt zum Arbeitsplatz. Für viele Rentnerehepaare wird das zweite Auto überflüssig. Kredite für Haus oder Wohnung sind (hoffentlich) abbezahlt. Die Kinder stehen auf eigenen Beinen. In die private Vorsorge muss nichts mehr investiert werden. Dafür kommen andere Ausgaben hinzu. Die Gesundheit wird fragiler. Und – für die, die es sich leisten können – ist plötzlich ausreichend Zeit für Hobbys, und Reisen da.
Per saldo benötigen Personen im Ruhestand wohl weniger Geld als in ihrem Erwerbsleben. Die Experten von Stiftung Warentest gehen davon aus, dass im Alter 80 Prozent des letzten Nettogehalts zur Verfügung stehen sollten. Dieser Wert hat sich zu einer Art Faustformel entwickelt, die bei der Berechnung der Rentenlücke gern genutzt wird. Auch für die Planung der Generationenvorsorge ist eine Einschätzung der gewünschten Konsumausgaben im Rentenalter wichtig. Wie viel tatsächlich benötigt wird, ist letztlich individuell unterschiedlich.
Rentnerhaushalte haben 20 Prozent weniger Konsumausgaben
Die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder untersuchen alle fünf Jahre über eine freiwillige Haushaltserhebung die Konsumausgaben von Rentnern und Erwerbstätigen. Dieser Konsumvergleich ermittelt nicht nur die Höhe der Ausgaben, sondern auch, wofür das Geld ausgegeben wird. Blickt man auf alle Haushalte, scheint die 80-Prozent-Faustformel recht stimmig. Tatsächlich liegen die Konsumausgaben aller Rentnerhaushalte rund 20 Prozent unter denen von Angestellten- und Beamten-Haushalten. Allerdings sind hier Single-Haushalte ebenso berücksichtigt wie Familien mit Kindern.
Ein Vergleich nach Haushaltgrößen zeigt deutlich geringere Unterschiede. Bei Einpersonenhaushalten liegt der Unterschied zwischen Rentnern und Berufstätigen bei rund 6 Prozent, bei Zweipersonenhaushalten sogar noch etwas niedriger.
Rentner konsumieren anders
Für was wird das Geld nun tatsächlich ausgegeben? Mit Abstand am meisten (37,2 Prozent) geben Rentner fürs Wohnen aus. Bei Single-Haushalten sind es sogar über 40 Prozent. Es folgen Lebens- und Genussmittel mit 13,1 Prozent. Für die Freizeit gehen knapp 12 Prozent drauf. Mehr als ein Drittel hiervon fließt in Reisen. Das Thema Verkehr schluckt fast 10 Prozent der Konsumausgaben der Rentner. Der größte Teil davon wird fürs Auto ausgegeben. Gesundheit fällt mit 7,3 Prozent ins Gewicht. Etwas weniger wird für Gaststätten/Unterkünfte (5,6 Prozent) und die Ausstattung des Haushalts ausgegeben, etwa für Möbel oder Elektrogeräte (4,8 Prozent). Zwischen 3,4 und 2,4 Prozent fließen jeweils in Kleidung, Körperpflege und Kommunikation. Bildung (0,2 Prozent) lassen sich Ruheständler kaum noch etwas kosten.
Auch Arbeitnehmer und Beamte geben am meisten fürs Wohnen aus., Der Anteil an den Gesamtausgaben ist mit 31,5 Prozent jedoch geringer. Weil der Job mehr Mobilität erfordert, sind die Verkehrsausgaben mit über 16 Prozent deutlich höher als bei den Senioren. Die Anteile für Lebensmittel und Freizeit sind ähnlich wie bei den Ruheständlern, allerdings spielen Reisen eine geringere Rolle. Für die restlichen Kategorien liegen die Ausgaben anteilig etwas höher. Ausnahme: Für die Gesundheit geben die Erwerbstätigen mit rund 3 Prozent anteilig nicht einmal halb so viel aus wie die Rentner.
Veränderungen im Ausgabeverhalten im Laufe des Ruhestands
Bei den oben genannten Werten handelt es sich um Durchschnittswerte. Das Ausgabeverhalten von Rentnerhaushalten durchläuft im Laufe des Ruhestands in der Regel verschiedene Phasen, die bei der finanziellen Planung berücksichtigt werden sollten. Zu Beginn des Ruhestands, wenn Senioren noch aktiv und gesund sind, sind die Ausgaben für Freizeitaktivitäten wie Reisen, Hobbys und kulturelle Veranstaltungen oft vergleichsweise hoch. Diese Phase der „aktiven Ruhestandsjahre“ ermöglicht vielen Rentnern, langgehegte Träume zu verwirklichen und von der neu gewonnenen Freizeit zu profitieren.

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Nach dieser ersten Phase folgt oft eine Periode mit geringerem Kapitalbedarf. In dieser Zeit reduzieren viele Rentner ihre Ausgaben, da sie weniger reisen und sich mehr auf das häusliche Leben konzentrieren.
Mit zunehmendem Alter steigen dann oft die Ausgaben im Bereich Gesundheit und Pflege. Diese Entwicklung ist besonders wichtig zu beachten, da die Kosten für medizinische Behandlungen, Hilfsmittel und pflegerische Unterstützung erheblich sein können.
Angesichts dieser Veränderungen im Ausgabeverhalten ist eine flexible und lebenslang anpassbare private Vorsorge essenziell. Eine solche Vorsorge sollte in der Lage sein, sich auch während der Entnahmephase an den veränderten finanziellen Bedarf anzupassen. Dies kann durch verschiedene Finanzprodukte und -strategien erreicht werden, wie etwa Rentenversicherungen mit flexiblen Entnahmemöglichkeiten.
Die richtige finanzielle Planung und Vorsorge ermöglicht Rentnern, ihren Lebensstandard zu halten und finanziellen Stress in allen Phasen des Ruhestands zu minimieren. Daher ist es ratsam, bereits frühzeitig mit der Planung zu beginnen und professionelle Beratung in Anspruch zu nehmen, um eine Strategie zu entwickeln, die den persönlichen Bedürfnissen und Umständen gerecht wird.
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