Verden an der Aller steht nach heftigen Regenfällen zu Weihnachten 2023 unter Wasser. © picture alliance / Geisler-Fotopress | Ulrich Stamm
  • Von Karen Schmidt
  • 10.01.2024 um 16:22
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Die deutschen Versicherer sind unzufrieden mit der Politik in Sachen Hochwasserschutz. Bei Bauplanung und Prävention sehen sie großen Verbesserungsbedarf – sonst könnte es teuer werden, warnen die Versicherer.

Mit Blick auf die Hochwassersituation in vielen Regionen Deutschlands appellieren die Versicherer an die Politik, mehr zum Schutz vor Wetterextremen zu unternehmen. „Länder und Kommunen haben beim Thema Flächen- und Bauplanung sowie bei der Prävention große Defizite. Hier wurde jahrzehntelang zu wenig investiert“, sagt Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Viele Probleme seien hausgemacht.

Drei Maßnahmen halten die Versicherer jetzt für dringend notwendig: „Die Errichtung von Gebäuden in ausgewiesenen Gefahrengebieten sollte enden. Prävention und Klimafolgenanpassung sollten in den Landesbauordnungen verankert werden. Und die öffentliche Hand sollte über ein bundesweites Naturgefahrenportal deutlich die Gefahrenlagen benennen“, sagt Asmussen.

Seien die Gefahren nicht transparent, würden Betroffene auch weniger für die Prävention tun, so der Verband. „Andere Länder wie etwa Österreich und die Schweiz sind uns hier um Jahre voraus.“

„Nur Prävention verhindert Schäden oder mindert deren Höhe“

Eine verpflichtende Versicherung gegen Elementarschäden als alleinige Maßnahme zum Schutz vor Wetterextremen lehnen die Versicherungen ab. „Ein großer Teil der Schäden entsteht, weil die Anpassung an den Klimawandel immer noch nicht ernst genommen wird“, so Asmussen. „Nur Prävention verhindert Schäden oder mindert deren Höhe. Eine Versicherungspflicht allein löst kein einziges Problem. Wir planen, bauen und sanieren in Deutschland leider immer noch so, als ob es den Klimawandel und Extremwetterereignisse nicht gäbe.“

Vor diesem Hintergrund hat der Versicherungssektor ein Gesamtkonzept vorgelegt. „Es sieht neben Versicherungsschutz auch die Bausteine Prävention, Klimafolgenanpassung und eine Lösung mit staatlicher Beteiligung im Fall einer Naturkatastrophe mit extrem hohem Schadenaufkommen vor“, sagt Asmussen. „Nur so können die Prämien auf mittlere Sicht einigermaßen stabilisiert werden.“

Würden Prävention und Klimafolgenanpassung weiterhin vernachlässigt, komme das die Kunden mittel- und langfristig teuer zu stehen, warnt der Verband. „Die Preise dürften sich dann binnen weniger Jahre verdoppeln.“ Das gelte bei Bund, Ländern und Kommunen sowie bei Privatpersonen und Gewerbetreibenden gleichermaßen.

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Karen Schmidt

Karen Schmidt ist seit Gründung von Pfefferminzia im Jahr 2013 Chefredakteurin des Mediums.

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